Ernährung

Beeinflusst Fast Food unser Gehirn?

SÜßIGKEITEN. POMMES UND NICHT NUR DICK ZU MACHEN, SONDERN DUMM? BURGER STEHEN UNTER VERDACHT, AUCH DAS GEHIRN ZU SCHÄDIGEN.

Schlechter bei der Prüfung abschneiden, weil man ein paarmal zu oft an der Pommesbude war. Einfach nicht mehr auf den Namen der neuen Kollegin kom men, wegen der Burger letztens. Und in 40 Jahren Alzheimer, denn über die Zeit waren es einfach viel zu viele Donuts… Hört sich vollkommen abwegig an? Ist es aber nicht (wenn auch etwas übertrieben).

Und sobald man mal drüber nachdenkt, ist es ja auch absolut nicht überraschend: „Was man isst, beeinflusst nicht nur den Bauchumfang, das Herz und die Leber. Auch das Gehirn reagiert auf die Nährstoffe, die es bekommt“, sagt Professor Gabor Petzold, Neurologe am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Doch nachdem es den Wissenschaftlern jahrzehntelang praktisch nur darum ging zu erfahren, wie zu viel Fett und Zucker dem Körper schaden, ist in den letzten Jahren das Gehirn in das Zentrum des Interesses gerückt. Und schon jetzt ist klar: Das Denken, die Wahrnehmung und das Erinnern (medizinisch: Kognition) leiden, wenn Sie zu viel trashige und zu wenig wertvolle Nährstoffe zu sich nehmen. Wer ungesund isst, erhöht sein Risiko für Depressionen um ganze 48 Prozent. Was man sich in den Mund steckt, hat also auch direkten Einfluss auf das psychische Wohlbefinden und die geistige Leistungsfähigkeit und damit auf unser tägliches Leben. Aber es geht dabei sogar um noch viel mehr: Wissenschaftler vermuten, dass die weltweite Demenz- bzw. Alzheimer-Epidemie keineswegs nur mit der immer längeren Lebensspanne der Menschen zu tun hat. Sondern ganz wesentlich auch damit, dass sie sich oft so schlecht ernähren.

Es sind die üblichen Ver dächtigen, die eben nicht nur dick, sondern auch dumm machen: schnelle („einfache“) Kohlenhyd rate, wie sie in Zucker, Weißmehl, geschältem Reis oder hellen Nudeln stecken. Und gesättigte Fettsäuren aus rotem Fleisch zum Beispiel so wie Transfettsäuren, die bei der industriellen Verarbeitung von Fetten und Ölen entstehen und vor allem in Frittiertem und (Fertig-) Gebäck aller Art enthalten sind. Im Prinzip bewirken sie auch im Kopf erst mal das gleiche wie im Körper, und das hat mit dem Blutfluss zu tun. Denn auch das Gehirn wird von unzähligen kleinen und großen Adern versorgt. Und wie alle anderen Blutgefäße verlieren diese durch schlechte Ernährung auf Dauer an Elastizität. Plaques lagern sich an und erschweren die Belieferung der Denkzentrale mit lebenswichtigen Nährstoffen (allen voran mit Sauerstoff). Das bleibt nicht ohne Folgen. Allein dieser Mangel mindert die Leistung des Gehirns“, sagt Petzold.

Neueren Erkenntnissen zufolge reagiert der Körper auf diese Ablagerungen zudem mit einer Entzündungsreaktion. Immunzellen wandern ein, die Veränderung ist dauerhaft. So konnte eine Studie von Nathan Kline Institute für Psychiatrie forschung in New York kürzlich zeigen, dass viel Speck auf den Rippen mit erhöhten Entzündungsmarkern einhergeht (unter anderem war der sogenannte Fibrinogen wert erhöht). Dieser Vorgang hat Folgen: „Es deuten einige Befunde darauf hin, dass die chronische Entzündung eine der Ursachen. für die kognitiven Einschränkungen sein könnte“, so konnte Gabor Petzold. Denn auch der Hippocampus ist betroffen, und das ist die Hirnregion, die für die Bildung von Erinnerungen besonders wichtig ist. Schlimmer noch, es sieht so aus, als könnten sowohl die schlechte Ernährung selbst als auch die Entzündung die Hirnzellen direkt schädigen: „Da scheinen Prozesse oder Signalwege in ode Gang gesetzt zu werden, die auch neurodegenerativ wirken könnten.“ Es: kommt also zu einem Abbau von Gehirnzellen, andererseits werden die Reparaturmechanismen des Körpers erschwert: Eine Analyse der University of Liverpool in Großbritannien von knapp 200 wissenschaftlichen Studien hat gezeigt, dass insbesondere übermäßig viele gesättigte Fettsäuren die Bildung neuer Nervenzellen stören können.

Für Übergewichtige ist längst bewiesen, dass sie bei einigen Denktests. schlechter abschneiden. und dass bestimmte Bereiche des Gehirns mit den Kalorien, die sie zu sich nehmen, schrumpfen bzw. beschädigt werden können. Etwa der Orbitofrontalkortex und der Mandelkern. Beide Regionen spielen bei der Steuerung des Essverhaltens eine Rolle, weil sie unter anderem Appetit. und Heißhunger mit regeln. Auf diese Weise könnte also ein Teufelskreis entstehen, an des sen Anfang Currywurst. mit Pommes und Cola stehen: Mit den veränderten Hirnstrukturen ist es dann umso schwerer, sich selbst zu kontrollieren – und eben auch „Nein“ sagen zu können. zu solchen kulinarischen Verführungen.

Demenz und Diabetes haben dieselben Ursachen

Das Gemeine daran: Die Veränderungen im Gehirn scheinen schon loszugehen, bevor man überhaupt zunimmt. Ohne dass man irgend etwas davon merkt. Es ist ein bisschen wie beim Diabetes Typ 2 (das ist die lebensstilbedingte Zuckerkrankheit), bei der Experten schätzen, dass auf jeden diagnostizierten Fall mindestens einer kommt, bei dem selbst der Betroffene nicht ahnt, dass sein Stoffwechsel längst entgleist ist oder zumindest im Begriff ist, das zu tun.

Und nicht nur in diesem Punkt kann man das Drama im Hirn mit Diabetes vergleichen. Auch im Gehirn kommt es nämlich zu einer sogenannten Insulinresistenz, das heißt: Weil der Körper wegen ständiger schneller Kohlenhydrate (aus Zucker, Weißmehl etc.) andauernd übermäßig viel Insulin ausschütten muss, reagieren die Zellen irgendwann nicht mehr darauf. Die Folge sind dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte, die unter anderem die Gefäße (weiter) ruinieren. Im Hirn geht es dabei noch um etwas ganz anderes: um das Eiweiß Beta-Amyloid, das eines der wichtigsten bei der Entstehung von Alzheimer ist. Zu viel davon sorgt für die gefährlichen Plaques, mit denen die Krankheit üblicherweise anfängt. Um Ansamm lungen zu verhindern, gibt es im Gehirn eine Reihe von Enzymen, die Beta-Amyloid zerlegen können. Die Sache ist aber die: Eines dieser Enzyme, das Insulysin (IDE), baut auch Insulin ab. „Insulin und Beta Amyloid konkurrieren also um die Bindungsstellen auf diesem Enzym“, so Petzold. Und das bedeutet: Wenn sehr viel Insulin vor Ort ist, entstehen womöglich auch mehr Plaques. Experten haben darum einen neuen Namen für Alzheimer geprägt: Typ 3-Diabetes. Spätestens damit ist klar geworden, wie groß die Rolle der Ernährung bei der Entstehung von Demenz ist.

Inzwischen stützen auch verschiedene Er nährungsstudien die neue Erkenntnis. Besonders aufschlussreich scheinen dabei die Ergebnisse spanischer Wissenschaftler aus dem vergangenen Jahr: In ihrer Studie beobachteten sie Menschen über einen längeren Zeitraum (6,5 Jahre). Ein Teil von ihnen sollte sich fettarm ernähren, die anderen hatten die Anweisung, einer sogenannten mediterranen Diät zu folgen, also viel Gemüse, wenig verarbeitetes Getreide, wenig Milchprodukte und Fleisch (siehe Kas ten) zu sich zu nehmen. Vor allem aber sollten sie viel Olivenöl bzw. viele Nüsse essen (um das zu befördern, wurden sie ihnen zur Verfügung gestellt). „Da hat man wirklich starke Effekte gesehen“, sagt Petzold: Die Nuss- bzw. Ölgruppe hatte nicht nur weniger Schlaganfälle und Herzinfarkte, sondern auch eine bessere Kognition.

Wie viel Pommes frites sind erlaubt?

Ein gesunder Lebensstil ist also nicht nur gut für den Körper, sondern auch für Ihren Kopf. Die wichtige Frage ist aber doch: Wie viele Burger sind denn erlaubt? Wann fangen die Veränderungen im Gehirn an? Und ab wann merke ich wa davon? Das weiß bis heute leider niemand genau. Eine australis Studie mit Ratten ze kürzlich, dass es bei Nagern gerade mal 6 mit viel Fett und viel Zucker dauert, bis sie sich schlechter an Wege erinnern. Beim Menschen könnten es US-Experten zufolge wenige Wochen sein. Und selbst wenn es mehrere Wochen bis Monate sind, wie Gabor Petzold vermutet – es ändert nichts an dieser wichtigen Erkenntnis: Mit dem, was Sie essen, zahlen Sie jeden Tag auf Ihre Gehirngesundheit ein- jetzt und im Alter. Immerhin: Es scheint nie zu spät, etwas zu verändern. Vieles deutet darauf hin, dass man im Kopf auch wieder fitter wird, sobald die Ernährung ausgewogen ist. Und wenn man in Sachen Junkfood mal über die Stränge geschlagen hat? Neueste Studien geben Hinweise darauf, dass Omega 3-Fettsäuren (etwa in Walnüssen, Pekannuss sen, Erdnüssen und Mandeln sowie in Lachs und Sardinen) einige der schädlichen Effekte von Junkfood im Gehirn zumindest teilweise ausmerzen können.

Brain Food

Eine Mittelmeerdiät gilt als das Beste fürs Gehirn. Hier sind die wichtigsten Inhaltsstoffe: 4 Omega-3 Fettsäuren sind enthalten in Lachs, Hering, Walnüssen, Pekan- und Erdnüssen. Sie sind gut fürs Hirn, weil es zu ca. 60 Prozent aus Fetten besteht. Omega 3-Fettsäuren sind z. B. für die Beweglichkeit jeder Zellmembran verantwortlich.

B-Vitamine sind enthalten in dunklem Blattgemüse, Paprika, Getreide. Sie sind gut fürs Hirn, weil sie für die Herstellung der Botenstoffe des Hirns benötigt werden. -Antioxidantien sind enthalten in Obst (vor allem Beeren), Gemüse, grünem Tee, Gewürzen (v. a. Kurkuma, Nelken, Knoblauch, Zimt). Sie sind gut fürs Hirn, weil sie den Alterungsprozess vor Ort abmildern können.

Vitamin E ist enthalten in Mangold, Spinat, Süßkartoffeln, Mandeln, Sonnenblumenkernen. Sie ist gut fürs Hirn, weil ein hoher Vitamin-E Spiegel das Alzheimer Risiko mindert.

Vitamin D ist enthalten in Lebertran, Aal, Sardinen, Avocados. Ist gut fürs Hirn, weil ein Zusammenhang zwischen niedrigem Vitamin-D-Wert und einer langsamen Auffassungsgabe besteht.

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