Was kann man von Sex and the City lernen

Sie sind mehr als Style-Queens mit Hang zu teuren Schuhen und Dirty Talk: Die „Sex and the City“-Clique um Carrie – demnächst mit ihrem zweiten Filmabenteuer im Kino – steht vor allem für ein Frauenteam, das nichts auseinanderbringt. Von diesem Girls-Club können wir jede Menge lernen.

Es dauerte stets eine, manchmal anderthalb Flaschen Wein, Grauburgunder oder Gutedel aus dem Badenland. In dieser Zeit hatten wir vier die Job Themen hinter uns gelassen und waren beim Sexgetuschel angelangt. Wie kommt man am besten zum Orgasmus? Bringen Liebes toys wirklich etwas? Wir kicherten uns. die Seele aus dem Leib, schlürfen den Wein weg und hopsten zu einer Udo Jürgens-CD durch die Wohnung. Oder flirten in Bars ahnungslose Männer an. Eine Frauengang, so bunt gemixt, wie man es sich nur vorstellen kann – von der vornehmen Lady über die Romantikerin und das Partygirl bis zur sprücheklopfenden Zynikerin. Zusammen, so ahnten wir, und mit viel Humor können wir diesem Leben die Stirn bieten, dem stressigen Job, den seltsamen Männern. Als ich das erste Mal „Sex and the City“ sah, erkannte ich uns sofort wie der. Die witzige Carrie, die zynische Miranda, die hedonistische Samantha, die romantische Charlotte. Standen die New Yorkerinnen nicht stellvertretend für all die Frauencliquen auf der Welt? Und war das nicht auch das Geheimnis ihres Erfolgs, ein Grundton, der sich durch alle TV-Staffeln zog? Klar, aufsehenerregender war ihr respektloser Umgang mit Männern, ihre Unabhängigkeit, der freche Sextalk, das sensationelle Styling. Carrie & Co. prägten das Frauenbild der Nullerjahre, wir lernten von ihnen, dass man Rot zu langen und tage mit Neuem mixen kann und dass es ein aufregendes Singleleben noch lange jenseits der 35 gibt. Wichtige Lektionen. Leicht kann man dabei übersehen, dass „Sex and the City“ eine Botschaft hat, die universell gilt: Die Serie und die Filme (der neue Streifen startet am 27.5. im Kino) sind eine große Hymne an die Kraft von Frauenfreundschaften. Egal was passiert, der Girls Club hält. „Männer, Kinder, wen kümmert’s – wir sind Seelenverwandte!“, ruft Samantha aus.

Vielleicht zu idealistisch? Meine eigene Clique hat die Zeit nicht überdauert, Familie und Jobs haben uns in alle Himmelsrichtungen verstreut. Vielleicht sollten wir uns an dem Kino-Quartett ein Beispiel nehmen. Uns einfach mal wieder treffen, High heels an den Füßen, gnadenlos lästern. Und eventuell all die anderen Lektionen beachten, die man von Carrie und den Mädels über Freundschaft lernen kann:

Neurosen werden gefeiert statt bestraft

Samantha hat lieber Sex als eine feste Beziehung, Charlotte erträgt keine herumliegenden Teebeutel, Miranda sieht alles schwarz: Die haben doch einen Knall, möchte man ausrufen. Aber was tun Freundinnen? Sie denken nicht im Traum daran, an den Macken der anderen herumdoktern, im Gegenteil, sie genießen sie. Denn erstens ist es genau das, was die Person liebenswert macht. Und zweitens ist man nur so zu wahrer Freundschaft fähig. Weil man sich öffnet, sich auf Augenhöhe begegnet, ohne autoritäres Gehabe. Erziehen dürfen nur Mütter. Freunde nicht.

Zuhören ist besser als Ratschläge erteilen

Ein Anruf in der Not, ein Geständnis nach zwei Cocktails am Bartresen: „Er betrügt mich! Meine Kinder machen mich wahnsinnig!“ Jetzt könnte man mit guten Ratschlägen weiterhelfen. Oder sich im Bett zurücklehnen bzw. beim Barkeeper noch einen „,Cosmopolitan“ ordern und in aller Ruhe zuhören. Gute Freundinnen wie Carrie wissen: Der Frust muss raus, egal wie. Wer da gleich mit tollen Tipps für die andere bei der Hand ist, nimmt sich selbst zu wichtig. Für die Freundin stets ein Ohr zu haben, zu jeder Uhrzeit, das ist eine wesentliche Tugend der „SATC“-Mädels. Und um ein geknicktes Selbstwertgefühl wieder aufzubauen, haben sie auch ein unschlagbares Mittel parat…

Shoppen ist tröstlicher als jede Therapie

Mal kurz die Augen schließen: Wobei sehen Sie die „Sex and the City“-Clique? Genau: beim Shoppen! Was wurde da schon alles zwischen Dessous-Auslagen, Jimmy-Choo-Regalen oder Kleiderstangen voller Chanel-Jacken besprochen. Und wie schnell verschwand ein Durchhänger, wenn man erst mal eine schöne Dior-Tüte nach Hause geschleppt hatte. Shoppen mit der Freundin, sagt uns die Serie, ist zwar nicht billiger als die psychologische Beratung. Macht aber das Leben viel bunter und schöner. Und tröstet so kurzfristig über manche Unbill hinweg.

Nimm Männer niemals wichtiger als deine Clique

Wir sind alle auf der Suche nach den Herzblatt, da unterscheiden sich emanzipierte New Yorkerinnen nicht von all den anderen Frauen auf der Welt. Doch die vier leben uns etwas Wichtiges vor: Frauenfreundschaften sind haltbarer und krisenfester als so manche Liebesbeziehung. Und bieten weniger Enttäuschungen. Wer alles für den Traummann opfert – wie Carrie einst in Paris oder Samantha in Los Angeles -, fühlt sic ohne Freundesbande an der Seite wie abgeschnitten vom Leben. Und: Ken Kerl ist so wichtig, dass man nicht einen guten Gag über ihn reißen könnte!

Streite dich richtig und versöhne dich danach

Ganz ohne Krisen kommt auch eine gute Freundschaft nicht aus. Und niemandem von uns fällt es leicht, ein Streitgespräch zu führen. Diese Qual hat uns Miranda anschaulich gemacht, als sie Carrie im ersten Kinofilm gesteht, welchen Anteil sie am Scheitern ihrer Hochzeit mit Mr. Big hatte. Es dauert, ehe Miranda den Mund aufmacht, aber sie traut sich. Riskiert einen Riesenkrach. Am Ende dieser Geschichte folgt ein langes Gespräch-und eine Versöhnung.

Ein Jour fixe muss sein

Was haben wir immer am liebsten gesehen? Wie das Quartett beim Brunch im Restaurant alles Mögliche durchhechelt – Männer, Sex, Beziehungspleiten, andere Katastrophen… Da wurde gefuttert und gekichert, dass man sofort dabei sein wollte. Ihrem Jour fixe bleiben die vier auch im neuen Kinofilm treu. Weil solche Rituale eine Freundschaft stärken, man sich als Gemeinschaft erlebt, stets auf dem Laufenden ist, was bei den anderen so passiert. Zu dem machen die Treffen unglaublichen Spaß. Nicht nur den Zuschauern…

Für eine Freundin in Not lässt man alles stehen

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber vielleicht muss man ab und zu erinnert werden an dieses Merkmal einer engen Freundschaft. Wer dazu nicht mehr bereit ist, sollte den Wert der Bin- dung dringend überprüfen: Denn für eine Freundin nimmt man sich Zeit, egal, was sonst noch anliegt – es gibt kaum etwas, was man nicht für sie verschieben würde. Wir können uns gut daran erinnern, wie die „SATC“-Frauen alles umorganisierten und mit Carrie verreisten, weil sie als Braut ohne Ehemann dringend Trost brauchte. Auch im neuen Film heißt es wieder: Eine für alle, alle für eine. Ganz wie die Musketiere, nur mit schöneren Outfits.

Sexthemen sind immer für einen Lacher gut

Man steckt sich gerade das Sushi-Röllchen in den Mund, da jammert die Freundin: „Er will, dass ich seinem Penis einen Namen gebe! Das geht doch nicht! “ Jetzt könnte man sich natürlich knallrot im Gesicht am Häppchen verschlucken. Oder es so machen, wie es uns die Serien-Clique so wunderbar vorgelebt hat: Verklemmtheiten über Bord werfen, die Wahrheit auf den Tisch, lauthals kichern. Zu kleine Penisse, den Kopf am Bettpfosten gestoßen, zu schnell, zu langsam, es gab nichts, was nicht zur Sprache kam. Und jeder, der das schon mal mit seinen Freundinnen getan hat, weiß: Über nichts lässt sich besser lästern als über Männer und ihre Sexpraktiken. Man merkt, den anderen geht es genauso. Und die Hemmungen abzubauen, zusammen über Tabus zu reden – das reizt nicht nur unglaublich zum Lachen. Es befreit auch ungemein.

Unterschiede machen das Leben spannender

In der Schule schlossen wir unsere Freundschaften noch nach simplen Prinzipien: Man fand Popper doof, liebte A-ha und Dauerwellen, schon war die Seelenverwandte gefunden. Später, wenn sich das Leben ausdifferenziert, wird es schwieriger, auf Gemeinsamkeiten zu bauen: Die eine träumt von Mann und Kind, die andere vom wilden Single Leben… Wie man sich trotz verschiedener Lebensvorstellungen und Charaktere nahe bleibt, zeigen uns die vier auf beeindruckende Art und Weise. Weil die Grundbasis stimmt – Ehrlichkeit, Offenheit, Zusammenhalt sich jede auf ihre Art und Weise entwickeln: die Stadt verlassen, Kinder bekommen… Und ist mit ihrer Lebens. weise Inspiration für die Gruppe, statt sie durch Andersartigkeit Gerade diese Vielfalt ist die Würze, die Freundschaften spannend hält.

Zusammen fühlt man sich stärker

Natürlich sieht man Carrie auch allein gern zu. Doch am liebsten erleben wir sie zusammen mit den drei anderen: mit der zynischen Miranda, der sanften Charlotte, der lebenslustigen Samantha … Ob beim öffentlichen Auftritt oder bei einem Ausflug in die Wüste (wie im neuen Kinofilm, siehe Kasten unten) – überall gilt die Devise: Allein kommt auch irgendwie durch, doch sind die Freundinnen an der Seite, traut man sich mehr, fühlt sich stärker. Und hat bei Weitem mehr Spaß! Auch wenn wir das instinktiv immer wussten – danke, liebe „SATC“-Crew, dass ihr uns auf so amüsante Art daran erinnert, wie überlebenswichtig Frauenfreundschaften sind!

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