Nachhaltigkeit

Wie nachhaltig ist Öko Fleisch?

Überall liest man von GRASGEFÜTTERTEM RINDFLEISCH, HÜHNERN AUS FREILANDHALTUNG oder ANTIBIOTIKAFREIER WURST – aber welche Vorteile ergeben sich daraus wirklich für uns und die Umwelt? Wir gehen der NACHHALTIGKEIT auf den Grund.

Fleischverzehr wirkt sich bekanntermaßen nicht positiv auf unseren Planeten aus, denn die Aufzucht von Nutztieren ist einer der größten Faktoren, wenn es um unsere CO₂-Bilanz geht. Die Hersteller reagieren und wollen sich mit neuen Haltungsmethoden positionieren. Das geht von grasgefüttert über freilaufend bis komplett biologisch erzeugt. Gerade die Werbung suggeriert heile Bauernhofmomente, obwohl der Anteil von Bio-Fleisch in Deutschland nur bei 1 bis 2 Prozent liegt. Was also tun als Verbraucher?

Im internationalen Vergleich ist Deutschland bei ökologisch erzeugtem Fleisch weit abgeschlagen. Zuletzt Lag der Anteil an Geflügel bei etwa 1,5 Prozent, bei Rotfleisch (Schwein, Rind, Lamm, Schaf und Kalb) bei unter 2 Prozent und bei Fleisch- und Wurstwaren sogar nur bei rund 1 Prozent, wie aus dem Branchen Report 2020 des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft hervorgeht. So richtig scheint sich das Prinzip also noch nicht durchsetzen zu können. ,,Obwohl unsere kollektive Sorge berechtigt ist, gibt es aus ökologischer oder gesundheitlicher Sicht keinen großen Unterschied zwischen grasgefüttertem und biologischem Fleisch im Vergleich zu konventionellem“, sagt Dr. Walter Professor für Epidemiologie und Ernährung an der Harvard T. H. Chan School of Public Health. Doch kann das wirklich stimmen?

Folgen für die Umwelt

Beginnen wir mit der Umwelt. „Die gesamten Treibhausgase, die von grasgefütterten Rindern im Vergleich zu Rindern aus industrieller Mast erzeugt werden, sind ungefähr gleich“, sagt Dr. Willett. Tatsächlich erreichen konventionell aufgezogene Tiere, die am Ende ihres Lebens mit kalorienreichem Getreide gemästet werden, schneller ihr Schlachtgewicht als solche, die auf der Wiese grasen. Das bedeutet, dass sie technisch gesehen eine etwas geringere Umweltbelastung darstellen, weil sie nicht so lange leben und somit auch kürzere Zeit Methan ausstoßen. Die Realität sieht also anders aus, selbst wenn uns Werbeslogans in der Sicherheit wiegen wollen, umweltbewusster einzukaufen.

Auswirkungen auf den Körper

Bleibt die Frage, ob grasgefüttertes Bio-Fleisch nicht zumindest aus gesundheitlicher Sicht besser ist. „Nicht unbedingt“, sagt Alice H. Lichtenstein, Professorin an der Friedman School of Nutrition Science and Policy der Tufts University. Es gibt keine validen Daten, die belegen, dass es mehr Vitamine oder Antioxidantien enthält als konventionelles Fleisch. Zwar hat grasgefüttertes Rindfleisch einen höheren Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. „Dennoch ist Fleisch im mer noch keine gute Quelle für diese Fettsäuren“, sagt Lichtenstein. „Selbst die doppelte Portion hätte kaum einen Effekt.“Zudem gäbe es keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass Bio-Geflügel aus Freilandhaltung, antibiotikafreies Schweinefleisch oder andere „nachhaltige“ Fleisch optionen nahrhafter seien.

Frage des Geschmacks

Umweltfreundliche Landwirt schaft hat aber definitiv Einfluss auf den Geschmack: Denn glückliche, weniger gestresste Tiere liefern erwiesenermaßen zarteres und schmackhafteres Fleisch. Grundsätzlich gilt: Je gesünder und ausgeruhter ein Tier ist, desto größer ist sein Glykogenspeicher, dessen Inhalt dann nach dem Töten des Tieres in Milchsäure umgewandelt wird und das Fleisch geschmackvoll und zart hält. Tiere, die gestresst sterben, etwa durch lange Transporte, haben höhere Adrenalin- und Plasmacortisol Werte, was den Geschmack verschlechtert. Ein guter Grund, sich für das teurere Bio-Fleisch zu entscheiden, denn du bist, was du isst. Und da ist Bio tatsächlich immer die bessere Entscheidung.

Sauberes Rindfleisch

Das Problem mit der Viehzucht sind die vielen ausgestoßenen Treibhausgase, (pro Jahr etwa so viel wie die Transport industrie!). Forscher arbeiten an einer Lösung, wie wir Rind essen können, ohne durch Methan die Umwelt zu zerstören.

MEERESALGEN

Die Fütterung von Milchkühen mit nur 1 Prozent Algen könnte ihre Methanproduktion um bis zu 60 Prozent reduzieren, wie eine Studie der University of California. in Davis, USA, bestätigt.

DARMMIKROBEN

Schweizer und dänische Wissenschaftler experimen tieren mit Knoblauch oder Zitrusextrakten im Kuhfutter, wodurch die Methan ausstöße um 30 Prozent reduziert werden können.

KULTIVIERTES FLEISCH

Verschiedene Unternehmen entwickeln zellkultur viertes Fleisch. Das Muskelgewebe wird im Labor aus Zellen gezüchtet, die einem lebenden Tier entnommen wurden.

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