Wohlfühlen

Innehalten für einen klaren Kopf

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Denkende Frau
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Viele von uns werden im Alltag immer fahriger. Schuld daran ist auch der digitale Dauerkonsum, meint unser Experte.

Wenn die Schüler des griechischen Philosophen Aristoteles in der Antike eine Pause machten, flanierten sie in den Wandelhallen. Sie gingen ganz locker, ohne Anstrengung spazieren, ließen ihre Gedanken schweifen und tauschten sich das Gelernte, sie gewannen neue Einsichten und entwickelten Ideen. Später wurde dafür der Begriff Kontemplation geprägt. Er leitet sich ab aus dem lateinischen contemplatio für „Richten des Blickes nach etwas“. Der Neurowissenschaftler Prof. Volker Busch rät uns allen, es den alten Griechen gleichzutun. In seinem aktuellen Buch nennt er dieses Gedanken schweifen-Lassen „Bewegtes Träumen“ und er ist sich sicher, dass uns das hilft, wieder zu mehr.

Pausen helfen dem Gehirn, die Flut an Infos zu bewältigen

Konzentration und Leistungsfähigkeit zurückzufinden. Überlastung des Gehirns Unser Alltag ist geprägt von einer Dauerberieselung mit Informationen. Durch Smartphones sind wir permanent online, immer erreichbar und auf Empfang gepolt. Diese vielen Informationen, die auf uns hereinprasseln, stoßen Gedanken an, diese Gedanken potenzieren sich, kreisen im Kopf und das kann uns schließlich überfordern. Die Quittung bekommen wir direkt: Wir stehen im Keller und wissen partout nicht mehr, was wir dort wollten, der Zahnarzt Termin fällt uns einen Tag zu spät ein oder an der Supermarktkasse kommen wir nicht auf unsere EC-PIN. „Unser Gedächtnis wird schlechter, weil die zahlreichen Informationen vom Gehirn nur sehr oberflächlich bewältigt werden können und damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch ins Langzeitgedächtnis überführt werden“, erklärt der Neurologe. Neben diesem Gedächtnisverlust führt die verminderte Leistungsfähigkeit auch zu mehr Fehlern – fatal im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz. Und auch die Gesundheit leidet: Wir können abends nicht abschalten, sind gestresst, schlafen schlecht oder haben Verdauungsprobleme. Freiräume schaffen Im Alltag legen wir uns zudem eine vermeintlich effiziente Zeitnutzung zu: Wir gehen in der Mittagspause schnell einkaufen, checken E-Mails und durchscrollen den News-Feed im Social-Media Kanal. Keine gute Idee, findet Prof. Busch. Seiner Meinung nach müssen wir uns wieder auf echte Pausen rückbesinnen. Und dafür braucht es gar nicht viel.

Auszeit für den Kopf durch ein Spaziergang

Für den Anfang reicht schon ein 10-minütiger Spaziergang durch den Park oder eine Auszeit mit einer Tasse Tee und Blick aus dem Fenster. Wem es schwerfällt vom Stress loszulassen, kann sich durch einfache Ticks entspannen. Ein wichtiger Schritt zum Lösen von Problemen im Alltag ist nämlich, sich Zeit zu geben, in sich hineinspüren, um Ideen zu finden. „Diese Kopf Freiräume sind aber davon abhängig, dass sie auch eine wirkliche geistige Auszeit sind“, mahnt Psychiater Busch. Das Smartphone sollte dabei also in der Tasche bleiben. Hochleistung im Gehirn Was so banal klingt, ist eine intensive Tätigkeit für das Gehirn. „Man selbst kommt dabei zur Ruhe, das Gehirn arbeitet aber auf Hochtouren – im positiven Sinne“, schwärmt Busch. Denn während wir die Pause genie Ben, verarbeitet unser Oberstübchen die Infos und die damit verbundenen Aufgaben, Sorgen und Nöte. Das hilft auch, Stress abzubauen und To-do Listen die gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit überquellen – zu sortieren. Vor allem, und das ist Prof. Busch sehr wichtig, sollten wir diese „neue“ Pausen Kultur unseren Kindern und Enkeln vorleben. Denn sie brauchen diese Kopffreiräume noch viel mehr als wir Erwachsenen.

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