Eine Auszeit von Lärm mit Ruhepausen einführen

Auszeit von Lärm
So schützen Sie sich bei zu viel Lärm

Eine Auszeit vom Lärm des Alltags wirkt wie Medizin. Wir brauchen dafür nicht mal ein Rezept, sondern nur einige Stunden, in denen wir leise werden und bewusst die Ruhe genießen.

Das Handy klingelt, die Autofahrer hupen sich durch den Stau, Bauarbeiter bessern den Gehweg aus, Schlagbohrer rattern, irgendwo schreit ein Kind. Manchmal ist es einfach zu viel, die akustischen Reize zerren an den Nerven und die körperliche Anspannung steigt.

Drei Viertel aller Deutschen leiden grundsätzlich unter zu viel Lärm, jeder Zehnte sogar erheblich, so das Ergebnis einer Studie des Umweltbundesamtes. Straßenlärm steht ganz oben auf der Liste.

Doch auch die Musikanlage der Nachbarn, das Klingeln und Piepsen der Smartphones schaden unserer Gesundheit, weil wir unter Stress geraten. Was wir jetzt brauchen? Ruhe.

Wenn es still ist, können sich Gehirn und Geist erholen. Und das wiederum reduziert Stress und bewahrt uns letztlich auch vor der Zivilisationskrankheit Burn-out.

Tatsächlich scheint es eine neue Sehnsucht nach Stille zu geben. Eine Statista-Umfrage zeigt, dass 12,2% der Deutschen sich täglich bewusste Zeiten der Ruhe nehmen, 13,7% mehrmals die Woche. Achtsamkeit sowie Meditation stehen auf dem Stundenplan von Yoga- und Sportstudios, viele Menschen zieht es auf der Suche nach Ruhe in die Natur.

Lärm ist Stress

Unser Körper liebt regelmäßige Zeiten der Stille. Und er braucht sie auch. Wenn wir zu viel um die Ohren haben, ist das vegetative Nervensystem schnell überfordert.

Auf laute Geräusche reagiert der Körper genauso wie auf Stress, es schüttet vermehrt Hormone wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin aus.

Die Muskeln spannen sich an, der Blutdruck erhöht sich und die Herzfrequenz steigt. Dass Lärm die Wahrscheinlichkeit, an Vorhofflimmern zu erkranken, erhöht, haben Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz nachgewiesen. Wie aus den Ergebnissen hervorgeht, litten bei extremer Lärmbelästigung bis zu 23 Prozent der Studienteilnehmer an einer Herzrhythmusstörung, ohne Lärmbelästigung nur 15 Prozent.

Was passiert mit dem Körper bei Lärm

Nachts reagieren wir auf Geräusche stärker als am Tag. Über unser Gehör nehmen wir 24 Stunden am Tag akustische Reize auf, es macht nie Pause.

Schallwellen werden ins Innenohr geleitet, die dort Hörimpulse für unser Gehirn erzeugen. Die Ohren sind unsere zuverlässigste Verbindung zur Umwelt. Während wir unsere Augen zumachen können, bleibt das Gehör sogar noch im Schlaf aktiv. Nachts reagiert unser Körper auf bestimmte Geräusche stärker als am Tag. Dabei muss es nicht immer extremer Krach sein, der uns aufweckt. Sogar das leise Summen einer Mücke lässt uns nicht einschlafen. Das ist das Erbe unserer Vorfahren: Wenn es nachts knackst und surrt, ist Gefahr im Anmarsch – der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt.

Der Weltgesundheitsorganisation zufolge ist jeder fünfte Europäer nachts regelmäßig einem Geräuschpegel ausgesetzt, der erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben könnte.

Denn im Schlaf regeneriert sich der ganze Körper. Ist die Nachtruhe gestört, wird unser gesamtes Immunsystem geschwächt und wir werden krank. Kein Wunder also, dass Lärm auf Platz zwei der gesundheitsgefährdenden Umweltfaktoren rangiert, nur Feinstaub setzt uns noch mehr zu: Fast alle Krankheitsrisiken des Blutkreislaufs-Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche oder Bluthochdruck-nehmen mit steigendem Lärmpegel zu.

Wir haben außerdem festgestellt, dass Depressionen mit zunehmender Lärmbelastung stärker werden. Darüber war ich selbst überrascht. Das ist eine Krankheit, die vor allem dann entsteht, wenn Menschen das Gefühl haben, einer Sache ausgeliefert zu sein und sich nicht dagegen wehren zu können. Das ist bei Menschen der Fall, die zum Bei Ein permanenter Geräuschpegel bedeutet Dauerstress spielen an einer lauten Straßewohnen und denen ein Umzug nicht möglich ist.

Denn unser Organismus gewöhnt sich nicht an den Lärm, er steht sozusagen unter Dauerstress. Je länger wir lautem Schall ausgesetzt sind, desto kränker werden wir. Politiker müssten sich mehr für entsprechende Lärmschutzmaßnahmen einsetzen und die Menschen davor schützen, ähnlich wie sie es beim Feinstaub tun. Stille lässt sich herstellen, indem wir den Lärm bewusst eliminieren.

Ruhepause einführen

Es gibt zahlreiche praktische Maßnahmen, die Ruhe im privaten Umfeld verschaffen und den Lärm eliminieren. Zum Beispiel mit Schallschutzfenstern vor Verkehrslärm oder Trittschutz gegen das Klackern der Stöckelschuhe in der Wohnung über mir.

Allerdings halte ich wenig davon, sich dauerhaft mit Ohropax zu schützen. Denn wir brauchen Geräusche, um unsere Umgebung wahrzunehmen und tatsächliche Gefahren zu erkennen. Stellen Sie sich vor, Sie überhören zum Beispiel das Weinen Ihres Babys. Viel besser ist es deshalb, sich bewusst eine Ruhepause zu nehmen.

Denn in der Stille kann sich der Körper regenerieren. Ich kann nicht generell sagen, wie viel jeder Mensch täglich oder wöchentlich braucht. Doch je anhaltender der Krach, desto mehr Zeit benötigt der Körper, sich zu erholen. Schon kurzer Lärm wie ein vorbeibrausender Lkw belastet indes das Herz-Kreislauf-System, und bis es sich wieder erholt hat, dauert es seine Zeit.

Eine Ruhepause kann dabei auch ein einsamer Spaziergang in der Natur sein. Lesen Sie dazu mehr:

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Marina Salow Profilbild
Auf Beautymadel möchte ich mich als Mutter und Hausfrau verwirklichen. Ich betreibe Beautymadel seit 2021 und schreibe Beiträge zum Themen wie Gesundheit, Ernährung, Beauty, Nachhaltigkeit und Wohlbefinden.