Gesundheit

Trainieren Sie Ihre Selbstheilungskräften

Der beste Vorsatz für 2022 lautet: „Ich möchte nett zu mir sein: positiv denken, bewusst genießen, öfter ausruhen.“ Ihre Selbstheilungskräfte werden enorm profitieren.

Plötzlich war das Rheuma besiegt, der Krebs weg, das Asthma verschwunden… Immer wieder liest und hört man von solchen unglaublichen Glücks fällen. Diese Spontanheilungen erscheinen wie ein Wunder. Doch mit Übersinnlichem haben sie nichts zu tun. Die Betroffenen sind ganz einfach mit enorm starken Selbstheilungskräften gesegnet. Selbstheilungskräfte machen nicht nur ihren Job, wenn es um schlimme Erkrankungen geht. Der innere Doc sorgt auch dafür, dass beispielsweise ein blauer Fleck oder ein rauer Hals von selbst verschwindet. Was dabei im Körper vor sich geht? Nehmen wir an, Sie haben sich beim Gemüseschnippeln in den Finger geschnitten. Dann schickt Ihr Gehirn sofort eine Truppe weißer Blutkörperchen an die Unfallstelle. Diese wehren dort eindringende gefährliche Keime ab. Gleichzeitig verengen sich die Blutgefäße am Schnitt. Das Blut gerinnt, dann werden neue Zellen produziert, um die verletzte Stelle zu schließen. Der innere Arzt ist ein Allround-Fachmann. Er kann unter anderem Knochen zusammenwachsen lassen, schickt Fieber oder Durchfall, um den Körper zu reinigen, bekämpft Infekte, beugt Entzündungen und Tumorwachstum vor. Dabei laufen zahllose biochemische Prozesse im Körper ab. Genau genommen haben wir nicht nur einen Mediziner in uns, sondern auch eine Pharmafabrik, die Schutz- und Heil mittel herstellt – unter anderem Blutkörperchen, Enzyme, Hormone, Immunstoffe oder auch körpereigenes Cortison.

Wenn uns die Natur alle mit diesem internen Gesundheits system ausgestattet hat, warum wird dann der eine schwer krank, der andere nicht? Weil die Selbstheilungskräfte sehr individuell ausgeprägt sind. Wie effektiv sie sind, hängt ein Stück weit von den Genen ab. Doch nur die wenigsten Menschen haben dabei ganz schlechte Karten gezogen. Das heißt, es ist immer einen Versuch wert, seinen inneren Arzt zu pflegen – dass das manchmal überraschend einfach ist, sehen Sie an den folgenden Tipps.

Mal Pause machen

Ausreichend schlafen ist zum Beispiel eine simple Methode, die Selbstheilungskräfte zu stärken. Die anthroposophische Ärztin für Allgemeinmedizin Dr. Stolz aus Kassel empfiehlt zwischen sechs und acht Stunden pro Nacht, mindestens eine davon vor ein Uhr. Dann hat der interne Gesundheitsdienst Zeit, Zellschäden zu reparieren, das Immunsystem zu regenerieren und den Stoffwechsel zu takten.

Außerdem tun kleine Pausen im Alltag gut. Optimal ist es, wenn man die Gelegenheit hat, sich nach dem Mittagessen 10 Minuten hinzulegen. Der tägliche Kurzschlaf entspannt nachhaltig und baut schädliche Stresshormone ab. Für die meisten ist so ein Power-Nap jedoch nicht realisierbar. Dann sollten Sie wenigstens die Mittagspause einhalten. Beim Essen im Kollegenkreis aber möglichst nicht über Ärgernisse vom Vormittag reden. Eine Regel aus der indischen Ayurveda-Medizin lautet: Wer nicht schweigt und sich genussvoll aufs Essen konzentriert, sollte sich mit schönen Dingen beschäftigen.

An Besserung glauben

Es klingt fast wie eine Binsenweisheit – Fakt ist aber, dass allein die Erwartung auf Heilung Erkrankungen lindern und im besten Fall sogar gesund machen kann. Vermutlich unter anderem deshalb, weil sie das Immunsystem stärkt. Wir kennen diesen Effekt von Placebo-Pillen. Zahlreiche Studien zeigten, dass sich Patienten besser fühlten, obwohl sie wirkstofffreie Tabletten schluckten. Und selbst bei Scheinoperationen bringt allein der Glaube, behandelt worden zu sein, Besserung. Der. amerikanische Orthopäde Bruce Moseley aus Houston, Texas, zeigte dies mit einem Experiment: Er operierte 120 Patienten mit Kniearthrose unter örtlicher Betäubung. Die eine Hälfte nach allen Regeln der Kunst. Die anderen 60 bekamen nur zwei kleine Schnitte am Knie, sahen aber während der Behandlung über einen Monitor die Bilder einer echten OP. Die Patienten waren also fest überzeugt, dass der Eingriff bei ihnen gemacht wurde. Das erstaunliche Ergebnis: Zwischen der echten und der Scheinoperation gab es keinen Unterschied beim Heilungserfolg, auch zwei Jahre später nicht.

Es lohnt sich immer, ans Gesundwerden zu glauben. Oder im Fall von chronischen Beschwerden, die in Schüben auftreten (z. B. Rheuma, Neurodermitis), darauf zu vertrauen, dass der innere Arzt die Erkrankung unter Kontrolle behält. Wenn einem aber diese Hoffnung fehlt? Auch dann gibt es Wege – durch Selbstsuggestion kann man sich darauf programmieren.

Sich gesund denken

Der innere Arzt arbeitet optimal, wenn alle Regelsysteme des Körpers – das sind z. B. die Organe, das Immunsystem, der Stoffwechsel – reibungslos funktionieren. Negative Gefühle und Gedanken stören das gesunde Gleichgewicht, positive bringen es wieder in Balance. Wie genau sich diese Zusammenhänge erklären lassen, versucht der Forschungszweig der Psychoneuroimmunologie zu entschlüsseln. Das Gute ist, wir müssen nicht warten, bis die Wissenschaft zu einem Ergebnis gekommen ist. Die Kraft der positiven Gedanken funktioniert auch so. Dagmar Arendt, Heilpraktikerin mit Praxis für mentales Hypnocoaching in Erding bei München, empfiehlt z. B. in ihrem Ratgeber „Heilkraft der Selbsthypnose“: „Setzen Sie selbst Prioritäten und formulieren Sie mentale Botschaften in Bezug auf Ihre Gesundheit…“ Wer chronisch krank ist, dem hilft vielleicht der Satz: „Ich erlaube mir, vollkommene Heilung zu erfahren.“

Schlafmangel, Rauchen oder falsche Ernährung schwächen den inneren Arzt. Doch trotz guter Vorsätze schafft man es einfach nicht, gesünder zu leben. Die Verhaltensänderung erleichtern Suggestionen wie „Ich achte mein Bedürfnis nach genügend Schlaf/gesunder Ernährung“, „Ich bin der geborene Nichtraucher“ oder „Ich gehe in jeder Situation achtsam mit meinem Körper um“. Arendt rät, sich bei Gesundheitsproblemen täglich 30 Minuten in Trance zu versetzen und sich auf seine Suggestionen zu konzentrieren.

Lieben und berühren

„Ein kurzer Moment tief empfundener Liebe hat denselben positiven Effekt auf den Körper wie eine lange Meditations sitzung“, sagt Dr. Eva. Die Oberärztin am Benson-Henry-Institut für ganzheitliche Medizin in Massachusetts/USA erklärt auch, warum das so ist: „Angst und Liebe können vom Gehirn nicht gleichzeitig verarbeitet werden.“ Und Angst ist gemeinsam mit Stress oft schuld daran, dass der innere Arzt kontraproduktiv wird. Denn wenn ständig Stresshormone ausgeschüttet werden, aktiviert das vermehrt weiße Blutkörperchen. Unser Doc ist dadurch der irrigen Annahme, dass irgendwo eine Entzündung steckt. Deshalb setzt er eine Reihe von Prozessen im Körper in Gang – man weiß noch nicht welche -, die echte Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Diabetes, Adipositas, Herz- Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und womöglich sogar ein Wachstum von Tumoren begünstigen. Beruhigend, dass uns Liebe davor bewahren kann. 

Sollten Sie Single sein, keine Angst! Mit Liebe sind nicht nur zärtliche Gefühle zu einem Partner gemeint. Laut Dr. Selhub wirkt alles, was das Herz erwärmt, wie Medizin. Dazu gehört die Liebe zu sich selbst, durch die man sich in der eigenen Haut wohlfühlt. Und auch der Alltag beschert ständig Glücksmomente: Es kann die kleine Tochter sein, die den selbst gebackenen Keks mit ihrer Mami teilen will. Ein Treffen mit Freundinnen, bei dem viel gelacht wird, oder ein schöner langer Spaziergang mit dem geliebten Hund. Ein gutes Rezept sind auch Berührungen. Sie geben das Gefühl von Geborgenheit, halten den Stresshormonpegel niedrig. Nicht umsonst werden von China bis Hawaii Massagen zur Gesundheitsförderung eingesetzt. Wer wenig Streicheleinheiten bekommt, tut Körper, Seele und dem inneren Arzt viel Gutes, indem er sich ab und zu eine Massage gönnt.

FITNESS TRAINING FÜR DEN INNEREN ARZT

Vor dem Frühstück ein Glas abgekochtes Wasser trinken

Laut Ayurveda-Medizin stärkt das die Lebensenergie, entgiftet und kurbelt den Stoffwechsel an.

Täglich offen für kleine Glücksmomente sein

Der Stresshormon pegel lässt sich senken, indem man z. B. den Liebsten küsst, die Katze streichelt oder sich am Sonnenaufgang erfreut – anstatt sich übers frühe Aufstehen zu ärgern.

So oft ans Tageslicht gehen wie möglich

Das ist besonders im Winter wichtig, wenn wir wenig Sonne abkriegen. Die Haut braucht jeden Lichtstrahl, um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Es ist nicht nur für gesunde Knochen und Zähne wichtig, sondern schützt nach den neuesten Erkenntnissen auch vor Krebs, Depressionen und Herzinfarkt.

Den Regenbogen essen

Wer jeden Tag Gemüse und Obst in verschiedenen Farben zu sich nimmt, versorgt sich mit allen wichtigen Antioxidanzien, die die Zellen schützen.

Den Kreislauf an Kurbeln

Zur Lieblingsmusik tanzen, schnellen Schrittes zum Bus gehen, Treppen steigen… Das Herz sollte wenigstens einmal am Tag gefordert werden.

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